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Sauna bei Erkältung: sinnvoll oder riskant?

Wärme tut gut, wenn es einen erwischt hat – so das Gefühl. Doch bei einer Erkältung ist die Sauna nicht für jede Phase gemacht. Wann sie unbedenklich ist, wann sie schadet und was das Dampfbad besser kann.

Innenraum einer Holzsauna mit Aufgusskübel und Kelle, davor eine Tasse Kräutertee und eine Zitrone auf der Holzbank
Inhalt
  1. Die kurze Antwort
  2. Der Mythos vom Ausschwitzen
  3. Entscheidungstabelle nach Krankheitsphase
  4. Rücksicht: die Ansteckungsgefahr
  5. Dampfbad statt Sauna?
  6. Wann wieder in die Sauna?
  7. Häufige Fragen

„Geh in die Sauna und schwitz das aus" – kaum ein Ratschlag hält sich bei Erkältung so hartnäckig. Die Idee klingt einleuchtend: Hitze rein, Krankheit raus. Nur funktioniert der Körper so nicht. Ob ein Saunagang sinnvoll oder riskant ist, hängt vor allem davon ab, in welcher Phase der Erkältung man steckt – und ob Fieber im Spiel ist. Dieser Beitrag trennt das verbreitete Bauchgefühl von dem, was sich sagen lässt, und liefert eine einfache Entscheidungshilfe.

Die kurze Antwort

Für die Ungeduldigen zuerst das Wichtigste: Mit Fieber, Gliederschmerzen oder deutlichem Krankheitsgefühl gehört man nicht in die Sauna. Die grosse Hitze treibt die Herzfrequenz nach oben und belastet einen ohnehin geforderten Kreislauf zusätzlich – ausgerechnet dann, wenn der Körper seine Kräfte für die Abwehr braucht. Bei einem leichten Schnupfen ohne Fieber, mit dem man sich sonst fit fühlt, spricht für viele Menschen wenig gegen einen moderaten Gang. Verkürzen wird er die Erkältung allerdings nicht. Und in beiden Fällen bleibt ein zweiter Punkt, den man leicht vergisst: In der geteilten Kabine sitzt man dicht bei anderen.

Sauna bei Erkältung in Kürze

Der Mythos vom Ausschwitzen

Eine Erkältung „ausschwitzen" – kann man das wirklich? Nüchtern betrachtet nicht. Schweiss besteht zu rund 99 Prozent aus Wasser und gelösten Salzen; Erkältungsviren werden darüber nicht aus dem Körper transportiert. Der Infekt wird vom Immunsystem bekämpft, und dieser Prozess braucht seine Zeit – bei einer gewöhnlichen Erkältung meist etwa eine Woche. Wie stark man dabei schwitzt, ändert daran nichts. Äussere Wärme von aussen zugeführt beschleunigt die Genesung nicht.

Interessant ist ein Blick darauf, wo sich die häufigsten Erkältungsviren überhaupt wohlfühlen. Laborversuche an Atemwegszellen deuten darauf hin, dass sich das verbreitete Rhinovirus bei kühleren Temperaturen – wie sie in der Nasenschleimhaut herrschen – besser vermehrt, während die körpereigene Abwehr bei Körperwärme wirksamer arbeitet. Die volkstümliche Vorstellung, man könne den Erreger mit äusserer Hitze „abtöten", greift also zu kurz: Es ist die innere Immunantwort, die den Virus in Schach hält, nicht die Temperatur der Saunakabine. Wer schwitzt und sich danach besser fühlt, spürt vor allem Entspannung und Wärme – ein angenehmes Gefühl, aber keine Heilung.

≈1 Wocheüblicher Verlauf einer Erkältung – unabhängig vom Schwitzen
45–60 °CDampfbad – milder als eine 80–90 °C heisse Sauna
0überzeugende Belege, dass Hitze eine Erkältung verkürzt

Entscheidungstabelle nach Krankheitsphase

Statt einer pauschalen Ja-oder-Nein-Antwort hilft ein Blick auf die Phase. Eine Erkältung verläuft selten gleichbleibend – sie beginnt zaghaft, erreicht einen Höhepunkt und klingt wieder ab. Für jede Phase gilt eine andere Empfehlung.

PhaseTypische AnzeichenSauna?Warum
FrühphaseHalskratzen, leichtes Frösteln, noch kein Fieber, gutes AllgemeinbefindenZurückhaltendKein belegter Nutzen; man ist bereits ansteckend; ausreichend trinken und Signale ernst nehmen
AkutphaseFieber, Gliederschmerzen, starker Husten, AbgeschlagenheitNeinHitze plus Fieber belasten den Kreislauf; hohe Ansteckungsgefahr für andere
GenesungSymptome abgeklungen, fieberfrei, wieder belastbarSchrittweise jaMilde Aufgüsse, kürzere Gänge, viel Flüssigkeit – sanfter Wiedereinstieg

Die Übergänge sind fliessend, und jeder Mensch spürt sie anders. Als roter Faden lässt sich aber festhalten: Solange Fieber im Spiel ist oder man sich richtig krank fühlt, ist die Sauna keine gute Idee. Ein leichtes Kratzen im Hals ist etwas anderes als ein fieberhafter Infekt – und wer unsicher ist, liegt mit einer Pause selten falsch.

Rücksicht: die Ansteckungsgefahr

Ein Aspekt kommt in der Diskussion oft zu kurz: Eine öffentliche Sauna ist ein geteilter Raum. Erkältungsviren verbreiten sich über feine Tröpfchen beim Husten und Niesen sowie über Hände und gemeinsam berührte Flächen. In der Enge einer Kabine, an Türgriffen, Bänken und im Ruhebereich sitzt man anderen näher, als einem lieb sein sollte. Gerade in der Frühphase ist man bereits ansteckend, obwohl man sich noch fast gesund fühlt.

Wer erkältet in die öffentliche Sauna geht, riskiert also, andere anzustecken – ein Grund mehr, im Zweifel zu Hause zu bleiben. Zur guten Etikette gehört ohnehin, bei Infekten Gemeinschaftsanlagen zu meiden, gründlich Hände zu waschen und in die Armbeuge zu husten. Wer eine eigene Sauna nutzt, umgeht dieses Problem – die Frage nach Fieber und Kreislauf bleibt aber dieselbe.

Gut zu wissen: Ein Saunagang ist Wohlbefinden, kein Heilmittel. Bei Fieber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Kreislaufproblemen ist von der Hitze abzuraten. Treten in oder nach der Sauna Schwindel, Herzrasen, Enge in der Brust oder Ohnmachtsgefühle auf, sofort verlassen, abkühlen und Ruhe suchen – bei ernsten Beschwerden ärztlichen Rat einholen, im Notfall die Nummer 144 wählen. Wenn Erkältungssymptome länger anhalten oder ungewöhnlich stark sind, gilt ebenfalls: ärztlich abklären lassen.

Dampfbad statt Sauna?

Wer sich mit leichtem Schnupfen nach Wärme sehnt, für den ist das Dampfbad oft die klügere Wahl als die klassische finnische Sauna. Mit rund 45 bis 60 Grad ist es deutlich kühler als eine 80 bis 90 Grad heisse Sauna und belastet den Kreislauf dadurch weniger. Die nahezu gesättigte, feuchtwarme Luft empfinden viele bei verstopfter Nase als wohltuend – sie befeuchtet die Schleimhäute und fühlt sich mild an.

Zur Ehrlichkeit gehört aber: Ein Heileffekt ist damit nicht belegt. Eine Cochrane-Übersicht fand keine überzeugenden Belege dafür, dass erwärmte, befeuchtete Luft eine Erkältung verkürzt oder die Beschwerden verlässlich lindert. Das Dampfbad kann also angenehm sein und für einen Moment die Nase freier machen – als Behandlung sollte man es nicht verstehen. Und auch hier gelten dieselben Grenzen: kein Dampfbad bei Fieber, und in öffentlichen Anlagen die Rücksicht auf andere nicht vergessen. Wer den warmen Genuss lieber in die eigene Tasse verlegt, findet in unserem Beitrag Salbeitee gegen Schwitzen eine ruhigere Alternative.

Wann wieder in die Sauna?

Ist die Erkältung überstanden, drängt es viele zurück auf die Holzbank. Sinnvoll ist Geduld: Als Faustregel gilt, erst wieder zu saunieren, wenn man einige Tage fieberfrei ist und sich rundum belastbar fühlt. Der Körper hat gerade einen Infekt abgewehrt – ein sanfter Wiedereinstieg mit milden Aufgüssen, kürzeren Gängen und viel Flüssigkeit ist schonender als der sofortige volle Hitzeschock.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn während der Erkältung Husten tief sass oder man sich sehr geschwächt fühlte. Hört man in sich hinein und geht es zügig wieder bergab mit dem Wohlbefinden, ist das ein Signal, noch etwas zu warten. Wer die Erholung nach einem Infekt insgesamt aktiv gestalten möchte, findet begleitende Ansätze etwa im Beitrag über Adaptogene wie Ashwagandha und Rhodiola – wobei auch hier gilt, dass sich Beschwerden nicht wegkurieren lassen und Regeneration vor allem Zeit braucht. Rund ums Thema Wärme, Ruhe und Selbstfürsorge sammeln wir Grundlegendes ausserdem im Naturheilkunde-Ratgeber.

Häufige Fragen

Kann man mit einer Erkältung in die Sauna gehen?

Das hängt von der Phase ab. Bei Fieber, Gliederschmerzen oder starkem Husten gehört man nicht in die Sauna: Hitze und Fieber belasten den Kreislauf zusätzlich, und in den geteilten Räumen steckt man andere an. Bei einem leichten Schnupfen ohne Fieber und mit gutem Allgemeinbefinden ist ein moderater Saunagang für viele unproblematisch, verkürzt die Erkältung aber nicht. Im Zweifel gilt: lieber pausieren.

Kann man eine Erkältung wirklich ausschwitzen?

Nein. Schweiss besteht fast nur aus Wasser und Salzen und transportiert keine Erkältungsviren aus dem Körper. Der Infekt wird vom Immunsystem bekämpft, und das braucht üblicherweise rund eine Woche – unabhängig davon, wie stark man schwitzt. Äussere Hitze verkürzt diesen Verlauf nicht, kann den Körper bei Fieber aber zusätzlich belasten.

Wann darf man nach einer Erkältung wieder in die Sauna?

Als Faustregel gilt: erst wieder, wenn man fieberfrei ist und sich rundum belastbar fühlt – meist einige Tage nach dem Abklingen der Symptome. Sinnvoll ist ein sanfter Wiedereinstieg mit milden Aufgüssen, kürzeren Gängen und ausreichend Flüssigkeit. Wer sich noch schlapp fühlt, wartet lieber länger.

Ist ein Dampfbad bei Erkältung besser als die Sauna?

Ein Dampfbad mit rund 45 bis 60 Grad und hoher Luftfeuchte belastet den Kreislauf weniger stark als eine 80 bis 90 Grad heisse finnische Sauna, und die feuchtwarme Luft empfinden viele bei verstopfter Nase als angenehm. Ein Heileffekt ist damit aber nicht belegt: Eine Cochrane-Übersicht fand keine überzeugenden Belege, dass erwärmte, befeuchtete Luft eine Erkältung verkürzt. Auch fürs Dampfbad gilt: nicht bei Fieber und mit Rücksicht auf andere.

Beugt regelmässiges Saunieren Erkältungen vor?

Möglicherweise. In einer kleinen Studie mit gesunden Erwachsenen traten bei regelmässigem Saunieren über ein halbes Jahr in der zweiten Hälfte des Zeitraums etwa halb so viele Erkältungen auf. Das betrifft die Vorbeugung im gesunden Zustand und sagt nichts darüber aus, ob man während eines akuten Infekts saunieren sollte.

Quellen

  1. Deutscher Sauna-Bund e.V.: Saunabaden und Gesundheit – Hinweise zu Infekten und Fieber.
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG): Grippe und Erkältung – Ansteckung vermeiden. Bern.
  3. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Trinken und Flüssigkeitsbedarf. Bern.
  4. Ernst E, Pecho E, Wirz P, Saradeth T. Regular sauna bathing and the incidence of common colds. Ann Med. 1990. DOI: 10.3109/07853899009148930
  5. Foxman EF et al. Temperature-dependent innate defense against the common cold virus limits viral replication at warm temperature in mouse airway cells. PNAS. 2015. DOI: 10.1073/pnas.1411030112
  6. Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2017. DOI: 10.1002/14651858.CD001728.pub6
  7. Laukkanen T, Khan H, Zaccardi F, Laukkanen JA. Association between sauna bathing and fatal cardiovascular and all-cause mortality events. JAMA Internal Medicine. 2015. DOI: 10.1001/jamainternmed.2014.8187